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Immer, auch bei den Kleinsten, war er liebevoll und ganz für die anderen da

Die ganze Wei ler UN Papsı Plus Al.

Einer der Größten auf dem Thron Petri ist aus dieser Welt geschieden

D: Papst ist tot. Einer der wenigen ganz Großen dieser Erde ist von uns gegangen. Tiefer Schmerz erfüllt die Herzen nicht nur aller katholischen Christen um ihn trauert die ganze Welt. Denn Pius XII., der 261. Nachfolger Petri auf dem Thron der Päpste, war mehr als nur der Heilige Vater seines Glau- bens. Er war einer der lautersten und zugleich bedeutendsten Statthalter Christi. In einer Zeit, da Gewalt und Willkür, Chaos und Anarchie die Welt zu beherrschen drohten, festigte er den Glauben der Menschheit an höhere Werte und wußte ilın mit unerbittlicher Energie als felsenfestes Bollwerk einzusetzen gegen die zer- störenden Fluten des Bolschewismus.

Die Friedenstaube mit dem ÜOlzweig hatte er sich einst, da er noch Eugenio Pacelli hieß, zum Wappen gewählt. Dem Frieden und immer nur dem Frieden hat er auch als Nuntius in Deutschland gedient, als Kardinalstaatssekretär in Rom und schließlich als Papst in den schweren Jahren des Krieges und der Nachkriegszeit. Obwohl er, der geborene Römer, sieben Sprachen fließend sprach, obwohl er wie kein Papst vor ihm die Welt gesehen und alle Völker dieser Erde als seine Kinder lieben gelernt hatte mit Deutschland verband ihn eine ganz besondere Zunei- gung. Bis zu seiner letzten Stunde gehörten deutsche Jesuitenpatres zu seinen engsten 'Beratern, ließ er sich von der deutschen "Schwester Pasqualina umsorgen. Zwölf Jahre lang hatte er einst in Deutschland, erst in München, dann in Berlin, als Apostolischer Nuntius gewirkt und sich dabei nicht nur die Achtung und Ver- ehrung, sondern die herzliche Liebe aller gewonnen, die das Glück hatten, mit ihm in Verbindung zu kommen. Die gleiche Liebe strömte ihm, seit er Papst geworden, aus allen Ländern der Welt entgegen, ihm, dessen gütiges Herz und dessen hoher Verstand nichts Schöneres kannte, als sich zu höherem Lobe Gottes im Dienste der Menschheit zu verzehren bis zum letzten Atemzug.

Dieses große, überragende Leben hat sich erfüllt. Seit sich der amtierende Kardinal würdevoll vom violetten Kissen vor dem Totenbett des Papstes erhoben, dreimal den Taufnamen des Heiligen Vaters gerufen, dreimal mit silbernem Hammer seine Stirn berührt und dann erst feierlich bestätigte: „Der Papst ist wirklich tot!” seitdem weiß es die ganze Welt: Eine der größten und erhabensten Gestalten auf dem Thron Petri ist aus dieser Welt geschieden. Seitdem ist ganz Rom erfüllt von den Trauerfeierlichkeiten im Vatikan. In der Sixtinischen Kapelle wurde die Leiche einbalsamiert, in weiße Gewänder gehüllt und mit der roten, von Hermelinstreifen besäumten Mozetta bekleidet. Zwei Tage lang hielten die Beichtväter von St. Peter bei brennenden Kerzen die Totenwache. Erst am dritten Tag wird der tote Papst mit den Pontifikalgewändern bekleidet und dann feierlich in der Sakramentskapelle von St. Peter aufgebahrt.

Vor dem Gitter der Kapelle drängt sich tagelang das Volk von Rom. Eines weiteren Abends werden die Portale der Peterskirche für das Volk geschlossen. Von der Sakramentskapelle im rechten Seitenschiff geleitet das Domkapitel von St. Peter die Leiche hinüber auf die andere Seite in die Chorkapelle. Dort wird der tote Papst eingesargt. Ein Sarg aus Zypressenholz wird versiegelt in einen Bleisarg gestellt, dieser wieder versiegelt und von einem dritten Sarg aus Ulmen- holz umschlossen. Im milden Licht der Kerzen und im düsteren Schein der Fackeln wird dann der dreifache Sarg vorläufig nahe bei der Chorkapelle in einer Nische an der Wand beigesetzt. Von da wird er später in die endgültige Gruft gebracht. Neun Tage lang hintereinander werden feierliche Totenämter gehalten. Neun Tage lang dauern die Trauerfeierlichkeiten. Dann erst gilt es, an die Wahl des neuen Papstes zu denken. So tief der Schmerz um den Dahingeschiedenen ist, so gewaltig seine ragende Gestalt durch die Jahrhunderte strahlen wird auch er war nur ein sterblicher Mensch. Um so größer ist unsere Bewunderung für das, was er war und was er geleistet hat.

Alle Fahnen, nicht nur die der vatikanischen Amtsgebäude rund um den Peters-

4 platz, stehen in Rom auf halbmast, denn mit dem Papst verschied nicht nur das

Oberhaupt der katholischen Kirche, sondern auch der Souverän eines Staates

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Feierlich ist der Katafalk für den toten Papst mitten in der Peterskirche aufgebaut, gekrönt von der Tiara, der Krone des Heiligen Vaters

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im Diensi der Menschheit

„Unser Leben währet siebenzig Jahre, und wenn es hoch kommt, so sind es achtzig Jahre, und wenn es köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen.“

Psalm 90, 10

VOM LEBEN UND WIRKEN PAPST PIUS’ XIL., 2. MÄRZ 1876 - 9. OKTOBER 1958

Donnerstag, 2. März 1876. „Zweiter spanischer Karlistenkrieg endgültig geschei- tert“ „Thronprätendent Don Carlos auf dem Weg ins englische Exil“ so lauten die Überschriften in der Tagespresse.

Ein weltgeschichtliches Ereignis aber vermögen die Zeitchronisten von damals noch nicht zu melden. Es vollzieht sich in der Stille eines römischen Patrizier- hauses. Im dritten Stockwerk des Palazzo Pediconi. In der kleinen Via degli Orsini im Tiberviertel, Dort wird am 2. März 1876 ein künftiger Papst geboren. Als Sohn des Konsistorialadvokaten Filippo Pacelli und seiner Frau Virginia, geborene Graziosi, tritt Eugenio Pacelli in diese Welt und wird zwei Tage später als Nr. 27 des laufenden Jahrgangs in die Taufregister eingetragen. 63 Jahre später fügt der Nachfolger jenes Erzpriesters der Taufmatrikel die kurzen Worte hinzu: „Seine Heiligkeit Pius XII, 2. März 1939.“

Die Pacelli und die Päpste standen seit Jahrzehnten in enger Verbindung. Gene- rationen hindurch diente die Familie dem Papsttum in treuer Ergebenheit. Als Sproß dieser Familie wächst Eugenio Pacelli im Herzen der Stadt Rom heran und verlebt im Kreise dreier Geschwister: Josephine, Franziskus und Eli- sabeth die glücklichen Jahre der Kindheit.

Als der junge Gymnasiast im Juli 1894 seine Studien am Gymnasium Visconti beendet, erkennt man dem 18jährigen ohne Prüfung das Abschlußzeugnis zu. Freudigen Herzens verläßt er die Stätte, in der er nach seinem eigenen Zeugnis „in den humanistischen Wissenschaften herangebildet worden ist“. Ihn pei- nigt keine Qual der Berufswahl. Er sieht seinen Weg vor sich. Eugenio Pacelli folgt dem Ruf zum Priestertum.

Intensives Studium

Nach den Sommerferien 1894 nimmt Kardinal Paroc- ci den Kandidaten der Theologie Pacelli in das traditionsreiche Capranica-Kolleg auf. Er besucht aber auch die Vorlesungen der Päpstlichen Univer- sität Gregoriana. Drei Jahre hindurch folgt er den philosophischen Kursen der gelehrten Väter der Gesellschaft Jesu. Damals trifft er sich auch mit dem deutschen Germanistiker Carl Sonnenschein. Der kommende Berliner Weltstadtapostel und der spä- tere Nuntius für Deutschland stehen sich hier erst- mals als „Gegner“ in einem der geistvollen philo- sophischen Streitgespräche gegenüber. Ein Viertel- jahrhundert später werden sie, beide auf wichtigen Vorposten, einander in der Hauptstadt des Deut- schen Reiches wieder begegnen. Den Vorlesungen an der Gregoriana folgen nicht minder bedeutsame Kurse am „Appolinare“, der zum Großen Römischen Seminar gehörenden kirchenrechtlichen Fakultät.

Am Ostersonntag 1899 endlich steht Pacelli am Ziel. Der Freudentag seiner Priesterweihe ist angebro- chen. Pacellis Sehnsucht, für immer in der Pfarr- seelsorge Verwendung zu finden, erfüllte sich zu seinem Leidwesen nicht. Die Lehrer der Gregoriana und des Appolinare kannten die außergewöhnlichen Fähig- keiten des frommen, eifrigen Neupriesters zu genau, als daß sie diese vielver- sprechende Kraft nicht der obersten kirchlichen Verwaltung zugeführt hätten. Kardinal Vannutelli, der die Entwicklung Eugenio Pacellis seit langem mit Freuden verfolgt hatte, empfahl ihn der Kongregation für außerordentliche kirchliche An- gelegenheiten. Es war jene unter den zwölf Kongregationen des Apostolischen Stuhles, welche in enger Zusammenarbeit mit dem päpstlichen Staatssekretariat die gesamten kirchenpolitischen Fragen zu bearbeiten und die Verhandlungen mit den Regierungen über die Bischofsernennungen zu führen hat.

Anfang Februar 1901, also mit 24 Jahren, wurde Eugenio Pacelli hier Appren- dista, Lehrling. 1903 avancierte er zum Minutanten, ein Jahr darauf zum päpst- lichen Geheimkämmerer, und 1905 wurde er durch die Ernennung zum Päpstlichen Hausprälaten ausgezeichnet. Zur Verwaltungsarbeit traten wissenschaftliche Lehr- aufträge. Ab 1909 versah er mehrere Jahre hindurch die wichtige Professur für öffentliches Recht an der Academia bei Nobili Ecclesiastici, der Schule für die künftigen Diplomaten des Papstes.

Und immer neue Würden und Bürden brachten die letzten Regierungsjahre Pius X. Am 7. März 1911 wurde der 35jährige Prälat Untersekretär „seiner“ Kongregation. 1912 übertrug man ihm das Sekretariat der Kongregation zur Neufassung des kirchlichen Rechtsbuches, des Codex Juris Canonici. Am 20. Juni 1912 ernannte ihn der Papst zum Pro-Sekretär, am 1. Februar 1914 schließlich zum Sekretär der Kongregation für außerordentliche kirchliche Angelegenheiten. Stufe um Stufe

Als Achtjähriger schon damals der beste Schüler

war er die kuriale Verwaltungslaufbahn emporgestiegen, geschätzt und geachtet von Vorgesetzten und Mitarbeitern. Nun stand er als einer der wichtigsten Helfer an der Seite des Kardinalstaatssekretärs Merry del Val.

Nuntius in Deutschland

Unaufhaltsam kam der Krieg näher. Am 28. Juni erschütterten die verhängnis- vollen Schüsse von Serajewo die Welt. Vergebens beschwor der Papst die Nationen, die unheilvolle Kriegsfackel baldigst auszulöschen. Ihm, der sein Leben opfern wollte, um das Kriegselend zu beschwören, brach das Leid der Völker das Herz. Er starb am 20. August 1914, und dem Postbotensohn Joseph Sarto folgte als Benedikt XV. ein Markgraf: Jacob della Chiesa. Auch ihm wurde Monsignore. Pacelli ein treuer, unentbehrlicher Helfer. Gleich nach seinem Regierungsanttritt bestimmte ihn der Papst zum Leiter des Hilfswerks für die Kriegsopfer aller Nationen, das er als eine seiner ersten Taten ins Leben gerufen hatte.

Mitten aus diesem Schaffen und Planen zur Abwehr der Kriegsnot heraus sandte Benedikt XV. den bewährten Prälaten auf ein anderes Wirkungsfeld. Der Papst vertraute ihm die wichtigste Aufgabe an, die es zu diesem Zeitpunkt anzupacken gab: die Friedensmission in Deutschland. Gleichzeitig mit der Berufung nach München hatte der Heilige Vater seinen bewährten Mitarbeiter zum Titular-Erzbischof von Sardes ernannt, jener durch den Mongolen- eroberer Timur zerstörten, in Westasien gelegenen Hauptstadt des Lybischen Reiches, zu deren Christen- gemeinde einst der Seher von Patmos in der Gehei- men Offenbarung gesprochen hatte.

Mit der Mutter und den Geschwistern Pacellis fanden sich die Spitzen der kirchlichen Verwaltung in der Kapelle ein, die Kardinäle Vannutelli, Merry del Val, Gasparri, Scapinelli und Frühwirth, Erzbischöfe und Bischöfe, zahlreiche Mitglieder des Diplomati- schen Korps und Vertreter des römischen Adels. Über allen aber schwebten die Propheten und Sehe- rinnen Michelangelos. Über Papst und Bischöfen leuchteten die erschütternden Visionen von Buona- rottis Jüngstem Gericht. Es war der gleiche 13. Mai 1917, an dem im portugiesischen Ort Fatima drei Hirtenkinder erstmals die Erscheinung der Gottes- mutter erlebten.

Vergebliches Mühen

Nichts ließ der neue Nuntius unversucht. Er verhan- delte in Bayern und in Preußen, er war beim Kaiser und beim Reichskanzler. Es waren vergebliche Be- mühungen. Mißactung, Verleumdung, Argwohn waren der einzige „Dank“, den die Nationen Bene- dikt XV. für seine Friedensbemühungen abstatteten. Aucd für den Münchner Nuntius Pacelli bedeutete das Scheitern der Friedensmission eine harte Ent- täuschung. Dem zähen, unermüdlichen Vorkämpfer für den Frieden blieb nun nur eines zu tun: nach besten Kräften die tausendfältigen Nöte zu lindern, in welche der Weltkrieg die Völker tiefer denn je gestürzt hatte. Wie einst als Sekretär des vatikanischen Staatssekretariats setzte er sich erneut für die Kriegsgefangenen ein. In den Anliegen der deutschen Gefangenen wandte er sich an die Mächte der Entente. Und den Franzosen, Italienern und Engländern spendete er Mut und Trost in den deutschen Gefangenenlagern.

1918 war der Krieg zu Ende. München selbst war ein brodelnder, revolutionärer Hexenkessel. Die Kommunisten begannen ihre Schreckensherrschaft. Die diplo- matischen Vertreter hatten die Stadt längst verlassen Pacelli blieb. Als schwer- bewaffnete Vertreter des Revolutionsregimes in die Nuntiatur eindrangen, mit Plünderung drohten und die Herausgabe der Autos verlangten, trat der Nuntius ihnen furchtlos entgegen, und die Eindringlinge verschwanden unverrichteter- dinge. „Man ist nicht auf der Welt, um sich zu erfreuen und ruhig zu leben“, schrieb er im Rückblick auf jene Münchner Tage.

Die veränderte Lage in Deutschland stellt den Vertreter des Heiligen Stuhles vor “eine Fülle neuer Aufgaben. Während die Weimarer Nationalversammlung die Grundlagen für den demokratischen und parlamentarischen Staat legt, beschäftigt sich Nuntius Pacelli mit der Neuordnung der Beziehungen zwischen dem Vatikan und dem Deutschen Reich. Sein Ziel ist schon 1919 der Abschluß eines Reichs- konkordats. Am 22. Juni 1920 wird daher Erzbischof Eugenio Pacelli zum Nuntius in Berlin ernannt.

Wieder vergehen Monate, ausgefüllt mit Verhandlungen und wieder Verhand-

lungen. Sie bleiben ohne Ergebnis. Mit klarem Blick erkennt der Nuntius, daß an den Abschluß eines Reichskonkordates vorerst nicht zu denken ist. Er versucht deshalb, die Beziehungen der staatlichen und kirchlichen Mächte zunächst auf Länderbasis zu regeln. Am 29. März 1924 wird das Bayerische Konkordat abge- schlossen. Fünf Jahre später ist es auch in Preußen soweit.

Ernennung zum Kardinal

Das gleiche Jahr sollte auch die deutsche Mission Pacellis beenden. Im 56. Lebens- jahre steht der Erzbischof, als ihn wenige Tage nach seiner Rückkehr in den Vatikan die offizielle Nachricht von seiner Berufung in das Heilige Kollegium der Kardinäle erreicht. Kardinal Pacelli erlebt diese Stunden in tiefer Ergriffenheit. Er sieht nicht den Purpur. Er sieht das Kreuz. Hat er doch schon Wochen zuvor, bei der Berliner Abschiedsfeier, die Worte gesprochen: „Der tiefste und wesen- hafteste Sinn des Kardinalats ist nicht äußere Ehre und Glanz, sondern inner- lichste und engste Teilnahme an den Sorgen und Mühen, an den Verantwortungen und Lasten, an den Mühsalen und Bitternissen des Heiligen Vaters.“

Ein weites Arbeitsfeld erwartet den neuen Kardinal. Gasparri will die Leitung des päpstlichen Staatssekretariats jüngeren Händen übergeben. Fünfzehn Jahre hindurch hat der bald 78jährige das verantwortungsschwere Amt verwaltet. Bene- dikt XV. und Pius XI. ist er von 1914 bis 1929 Berater und Helfer, gewissermaßen „Ministerpräsident“ und „Außenminister“ gewesen. Pacelli ist zu seinem Nachfolger und damit zu einem der wichtigsten Männer im Vatikan ausersehen,

Seine Hoffnung, sich ausschließlich der Seelsorge widmen zu dürfen, ist mit der Berufung ins neue Amt endgültig zerschlagen. Bereits die Ernennung zum Kardinal hat er als das „Herablassen eines Grabsteins auf den liebsten Wunsch seines Lebens" bezeichnet. Das Arbeitsfeld des Staatss« kretärs ist weiter als das einer Diözese. Es erstreckt sich über alle Länder und Völker, umspannt den Erdkreis.

Fortsetzung Seite 7

Heiliger Ernst und lebenswache Offenheit sprechen aus den Zügen Eugenio Pacellis, der hier links neben seinem Bruder Francesco als Internatsschüler eine Bildung genießen durfte, wie sie nur wenigen Auserwählten zuteil wird

Keine Qual der Berufswahl peinigte ihn, als er mit 18 Jahren die Schule verließ. Sein Weg war ihm vorgezeichnet, er folgte seinem inneren Ruf und wurde Priester. Im traditionsreichen Capranica-Colleg, der Heimstätte vieler Gelehrter, Bischöfe und Kardinäle während ihrer Ausbildung, fand er Aufnahme und besuchte von hier aus die Päpstliche Universität Gregoriana

das Abschlußzeugnis zu

Schon im ersten Weltkrieg trat Eugenio Pacelli mit ganzer Kraft für all

Kriegsgefangenen ein. Hier spricht er gerade mit Italienern, die er als Erz- bischof und päpstlicher Nuntius in Bayern besuchte. Als einer der fähigsten Köpfe Roms war der 41jährige 1917 auf diesen wichtigen Posten entsandt worden

Die feierliche Unterzeichnung des Konkordats. Vergeblich hatte er sich als Nuntius in Berlin darum bemüht. 1933 kam es zustande, drei Jahre nachdem er Kardinalstaatssekretär geworden war. Links Vizekanzler von Papen, rechts zwei höhere Beamte aus der deutschen Botschaft in Rom vv

Von der ersten Stunde an lastet ein dem Außenstehenden nur schwer faßbares Übermaß an Arbeit und Verantwortung auf ihm. In enger Zusammenarbeit mit dem ihm in väterlicher Freundschaft zugetanen Heiligen Vater führt er die Verhandlungen mit den päpstlichen Nuntien, den Botschaftern, Gesand- ten und Geschäftsträgern der verschiedenen Staaten. Könige, Regierungs- chefs, Minister und Wissenschaftler aus aller Welt kommen zu ihm zum Empfang. Der gesamte Notenwechsel mit den Ländern, die Weisungen an den Episkopat der ganzen Weltkirche durchlaufen seine Kanzlei. Schwierige Konkordatsverhandlungen, heikle Friedensbemühungen werden von ihm geleitet. Am 20. Juli 1933 kommt es schließlich auch zu dem so lange erstrebten Reichskonkordat. Eugenio Kardinal Pacelli und Franz von Papen vollziehen ihre Unterschriften unter das Dokument. Daß damit keineswegs etwa eine Anerkennung der politischen Ideen des Nationalsozialismus durch die höchste kirchliche Autorität verknüpft ist, betont der „Osservatore Romano“ schon eine Woche danach in einem berühmten Kommentar.

Bei aller Aktenarbeit über dem Schreibtisch des Staatssekretariats wird Kardinal Pacelli kein nüchterner Diplomat. Er bleibt, was er immer gewesen, in seinem Innersten vor allem Seelsorger. Er will Diplomat sein und Apostel. Der Dienst am Wort ist dem Kardinalstaatssekretär ein besonderes An- liegen. Pacellis Ansprachen werden auch in Rom bald Ereignisse, von denen man spricht. Sie finden vielfaches Echo in den Zeitungen aller Länder. Glühende Religjosität, wissenschaftliche Gründlichkeit, sprachliche Form verbinden sich in ihnen mit einem Gespür für die Aufgaben der Stunde. Jede von ihnen wird ein Erlebnis für alle, die den Worten des hohen Red- ners lauschen dürfen. Pacellis Kenntnis ven sieben Sprachen macht es dem Staatssekretär der alle Völker umspannenden Kirche möglich, viele Diplo- maten, Kongreßteilnehmer, Journalisten in ihrer Muttersprache begrüßen zu können. Immer weitere Aufgaben wachsen indessen Kardinal Pacelli zu. Am 1. April 1935 beruft ihn der Papst außerdem zum Kardinalskämmerer (Camerlengo) der Heiligen Römischen Kirche und damit zum Leiter des kommenden Konklaves.

Friedensbotschafter in aller Welt Mit Sorgen erfüllt den Papst die Entwicklung der Weltlage. Die Kirche wird darum nicht müde, ihre Friedensbotschaft in die chaotische, ruhelose Zeit zu rufen, 1934 fährt Pacelli zum Eucharistischen Kongreß nach Buenos Aires und besucht danach Uruguay und Brasilien. 1935 sieht man ihn bei den Jubi- läumsfeiern in Lourdes. Im Oktober 1936 ist er nach den Vereinigten Staaten unterwegs. 1937 fährt er nach Frankreich, 1938 nach Ungarn. Hier, auf dem Eucharistischen Kongreß in Budapest, schließt er seine Ansprache mit den berühmten Worten Pius XI.: „Ich danke Gott Tag für Tag, daß er mich in den gegenwärtigen Zeiten leben läßt. Diese so tiefgreifende, so umfassende Krise ist einzig in der Geschichte der Menschheit. Man muß stolz sein, Zeuge und —- in einem bestimmten Maße Mitwirkender in diesem gewaltigen Drama zu sein. Das Gute und das Böse ringen miteinander in gigantischem Kampf. Niemand hat das Recht, ein Mittelmäßiger zu sein in dieser gegen- wärtigen Stunde!" Siebzehn Jahre regierte Pius XI., als ihn der Herr der Kirche in die ewige Heimat rief. Immer wieder setzte sich die sportgestählte, robuste Natur des einstigen Bergsteigers über die wachsenden Beschwerden des Alters hinweg. Am 5. Februar 1939 hielt der 81jährige noch eine Audienz. Dann befielen ihn Herzschwäche und schwere Erkältung. Mit letzter Kraft widmete er sich den Pflichten seines Amtes und empfing den treuen Staatssekretär am Abend des 7. und am Morgen des 9. Februar zur Besprechung der dringend- sten Angelegenheiten. „Lieber eine Sedisvakanz als einen Papst, der nicht arbeiten kann“, hatte er gesagt. In der Morgenfrühe des 10. Februar 1939 führte ihn der Tod in die Ewigkeit. Das Amt des Kardinalstaatssekretärs, das bekanntlich mit dem Hinscheiden des jeweiligen Papstes erlischt, war am Todestage des elften Pius von den Schultern Kardinal Pacellis genommen. Um so gewaltiger war die Aufgabe, die ihm als Camerlengo in den Wochen der Sedisvakanz oblagen. In die tiefe Trauer des Abschieds von Pius XI. mischten sich die vielseitigen Pflichten zur Vorbereitung der kommenden Wahl, die Verwaltung der Kirchen- regierung und des Vatikanstaates. Mit Schnellzügen und Autos, per Kriegsschiff und im Flugzeug waren die 62 Purpurträger aus allen Teilen der Welt zur Wiege des Papsttums geeilt, um am Grabe des ersten Petrus nach 19 Jahrhunderten seinen 261. Nach- folger zu wählen. Vollzählig hatte sich das Kardinalkollegium eingefunden, die 35 italienischen Kardinäle wie die 27 Purpurträger aus den übrigen Ländern und Völkern. Als letzter von ihnen zog am Nachmittag des 1. März 1939 auch Kardinal Pacelli in das Konklave ein. Dann brach der 2. März 1939 an. In der Sixtinischen Kapelle schritten die 62 Kardinäle zur Wahl. Jeder von ihnen setzte auf dem vorgedruckten Stimmzettel hinter den Worten „Ich wähle zum Papst den hochwürdigsten Herrn, meinen Herrn Kardinal...“ den Namen seines Kandidaten ein. Auf dem Petersplatz aber wartete die Menge. Viele Tausende. Zwar war seit Gregor XIII. im Jahre 1572 nie mehr ein Papst am ersten Wahltage erkoren worden, manches Konklave hatte sich Wochen, bei Klemens XIV. und Pius VI. sogar drei Monate hingezogen. So nahm es niemand wunder, daß um die Mittagsstunde, nach dem zweiten Wahlgang, die schwarze Rauch- wolke aus dem schmalen, hohen Blechschornstein am Dache der Sixtina ankündigte, daß die für eine gültige Wahl erforderliche Zweidrittelmehrheit noch nicht erreicht war. Fortsetzung Seite 8

An seinem 63. Geburtstag, am 2. März 1939, wurde Kardinal Pacelli in der Sixtinischen Kapelle bereits im dritten Wahlgang zum Papst gewählt. In Dankbarkeit gegen seine Vorgänger Pius X. und Pius XI. nannte er sich Pius XII. Und über seinem Pontifikat steht das Wort des Propheten Isaias: „Opus iustitiae pax!* „Gerechtigkeit schafit Friede!“ >

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Kein Papst vor ihm hatte so wie er die Welt gesehen. Alljährlich wurde er noch als Kardinalstaatssekretär mit den Friedensbotschaften der Kirche in die verschiedensten Erdteile entsandt, hier 1934 zum Weltkongreß in Buenos Aires

Kurz nach 16 Uhr schritten die Kardinäle zum dritten Male zur Abstimmung. Auf dem Petersplatz war es unterdessen schwarz vor Menschen geworden. Namen und Meinungen schwirrten von Chr zu Ohr. Da die Uhr zeigte 17.27 an stieg eine weiße Rauchwolke aus dem Kamin. „Il Papa & elletto! Der Papst ist gewählt!“ jubelte die Menge. Und wenige Minuten nach 18 Uhr erschien der Archidiakon des Heiligen Kollegiums, Kardinal Caccia Domi- nioni auf der äußeren Loggia von St. Peter. Mit lauter Stimme verkündete er urbi et orbi, der Stadt und dem Erdkreis, daß Kardinal Eugenio Pacelli en seinem 63. Geburtstag zum Papst gewählt sei und ın Dankbarkeit gegen seine Vorgänger Pius X. und Pius XI. den Namen Pius XII, angenommen habe. Laut brauste das tausendfache „Evviva il Papa!“ „Evviva Pacelli!* über den weiten Platz. Es ging nur unter in ‘dem dankerfüllten Tedeum, das die Gläubigen vor St. Peter und mit ihnen die ganze Weltkirche über die glückliche Wahl anstimmten.

Kurz darauf erschien die hohe Gestalt des neuen Papstes, mit den leuchtend weißen Gewändern des Statthalters Christi angetan, an der Brüstung und erteilte Rom und der Welt den ersten Papstsegen.

12. März 1939: Krönungstag Pius’ XII. Seit den frühen Morgenstunden strömen Zehntausende in den weiten Petersdom. Könige, Herzöge, Fürsten,

Auch in Lourdes,

dem heiligen Wunderort Fıankreichs, trifft 1935, im Jahr der

Jubilöäumsfeiern, Kardinal Pacelli als Legat des Papstes ein und wirkt dort als Priester und Prediger ebenso wie als Diplomat und Kirchenfürst

Impulsiv durchbrach Papst Pius Xll. die alte Tradition, verließ zum ersten Male ohne allen Pomp, ohne jede Schutzmaßnahme die Vatikanstadt und begab sich mit- ten unter das Volk, das ihm nach den Schrecken der ersten Bombardierung Roms im zweiten Weltkrieg fasziniert zuhörte

Mit Kardinal Spellman, der kurz nach Kriegsende nach Rom kam, unterhielt sich der Papst be- sonders lange. Er, der schon als Bischof tatkräftig in das moderne Leben eingegriffen hatte, der sich als Journalist, Radioredner und Drehbuchautor einen Namen zu machen wußte, hatte acht Jahre lang im päpstlichen Staatssekre- tariat in Rom gearbeitet. Kardinal Pacelli hatte ihm dort einst die Bischofsweihe erteilt und sich von ihm auf seinen Fahrten und Flü- gen durch die Vereinigten Staa- ten begleiten lassen y

Staatspräsidenten, Generäle, Diplomaten, Deputierte, Senatoren, Stadträte, Sonderbotschafter aus vierzig Ländern überbringen dem Papst die Wünsche und Grüße ihrer Völker.

Der Statthalter Christi auf Erden bringt dem Schöpfer der Welt das Opfer dar, 400 Millionen Katholiken auf dem ganzen Erdenrund scharen sich im Geiste mit den 60000 im Petersdom um den Altar.

Zwei Tage zuvor hatte Stalin vor dem XVII. Kommunistischen Partei- kongreß in Moskau eine seiner flammendsten Reden über die Sendung des Boischewismus gehalten. Drei Tage später besetzte Hitler die Tschechoslo- wakei,. Der furchtbare Zweikampf zwischen Krieg und Frieden begann. Der 261. Nachfolger Petri hat das Erbe seiner großen Vorgänger weiter- geführt.

Die Taube mit dem Olzweig des Friedens hatte sich einst Eugenio Pacelli als Wappen gewählt. Friedensbotschafter war er in München und Berlin, Friedensmahner in Rom, Lourdes, Ruenos Aires, Lisieux und Budapest. Dem Frieden diente Papst Pius XII. in den schicksalsschweren Monaten vor dem zweiten Weltkrieg, wie in den sechs langen Jahren der Auseinandersetzun-

gen mit den Waffen. Friede, Friede, Friede das ist der immer wieder- kehrende Ruf aus all seinen Sendschreiben und Ansprachen der Nach- kriegsjahre.

Eineinhalb Jahrzehnte stand Pius XII. nun am Steuer der Kirche. In sturm- bewegter Epoche hatte der göttliche Stifter der Kirche seiner Christenheit einen Statthalter geschenkt, der für immer zu den erhabensten und größten Gestalten auf dem Thron der Päpste zählen wird.

Unzählige Brote galt es an die Bedürftigen zu verteilen, als nach der Bombardierung Roms die Not in der Stadt allenthalben groß war. Auch diese Brote weihte der Papst, der seit je in der Hilie für andere eines seiner Hauptanliegen sah

Unübersehbar ist die Zahl der Mühseligen und Beledenen, die jahraus, jahrein nach Rom kommen, um vom Heiligen Vater Trost und Segen zu empfangen. Hier begrüßt er gerade eine Gruppe französischer Invaliden

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Voll tiefer Inbrunst hängen die Gläubigen aus aller Welt an den Lippen Seiner Heiligkeit des Papstes, wenn sie auf Pilgerfahrten, zu den regel- mäßigen Audienzen oder zu Kongressen nach Rom kommen

Ganz reizend ist es immer wieder, mit welch herzlicher Selbsiverständ- lichkeit sich Pius XII. die Liebe auch der Allerjüngsien zu gewinnen weiß. $ Zu ihrer reinen Unschuld fand sein gütiges Herz zu allen Zeiten Zugang

reierliche Augenblicke für die kirche

Von größter Bedeutung für das Pontifikat Pius XII. und für die gesamte katholische Christenheit war der Augenblick, als der Papst von seinem großen Thronsitz aus am Allerheiligentag feierlich das Dogma von der leiblichen Himmelfahrt Ma- riä verkündete, Die zweitausend- jährige Geschichte der Kirche weist kein Ereignis auf, das der Verkün- dung dieses Dogmas gleichkäme

Den Kardinalsrang verleiht aus- schließlich der Papst. Nur er über- gibt dem Neuernannten (Bild rechts unten) das höchste Zeichen seiner Würde, den flachen purpurroten Kar- dinalshut

Begeisterter Jubel empfing den Heiligen Vater immer wieder, wenn er cuf der Sedia gestatoria durch die Menge der Gläubigen getragen wurde hier über den großen, von Berninis Säulenhalle umfriedeten Platz vor dem Petersdom und allen seinen Segen spendet %

Der kranke Papst erteilt den Segen

Hier half auch die größte Kunst der Ärzte nicht mehr...

Die größten italienischen Spezialisten waren hinzugezogen worden, als es galt, das Leben des Papstes zu retten. Neben dem ständigen Leibarzt des Heiligen Vaters, Professor Galeazzi- Lisi, war es vor allem Professor Gas- barrini, der sofort nach Castelgandolfo geeilt war. Auf persönlichen Wunsch Pius XII. war auch der Schweizer Frischzellenspezialistt Niehans nach Rom gerufen worden. Ohne auch nur eine Minute zu zögern, hatte er sofort den Kongreß verlassen, zu dem er sich nach Paris begeben halte. Eine ganze Stunde lang weilte er am Krankenbett des Papstes. Aber auch er vermochte ihm nicht zu helfen. Als am nächsten Tage wieder zahllose Besucher voller Sorge nach Castelgandolto eilten, fan- den sie das Tor durch schwere eiserne Ketten versperrt: Es war das Zeichen, daß Pius XII. nicht mehr am Leben ist

Der Leibarzt Professor Galeazzi-Lisi

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von Faps

Pius All.

ls die Welt am Tag vor dem Tode des

Papstes dankbar aufatmete, weil er sich wie ein Wunder und ungewöhnlich rasch von dem doppelten Hirnschlag zu erholen schien, blieben die Ärzte sehr skeptisch. Mit dem Ausruf „Ich sehe nichts mehr!“ war er neben einer Chaiselongue plötzlich zu- sammengebrochen. Schon in der Woche zuvor hatte der Heilige Vater an Erschöpfungs- zuständen gelitten und war im Verlauf weni- ger Tage zweimal von den gleichen Schluck- aufbeschwerden gequält worden, die drei Jahre zuvor das äußere Zeichen seiner lebensgefährdenden Krankheit waren. Auf ausdrücklichen Wunsch des Papstes war der Schweizer Arzt Professor Niehans herbei- geholt worden. Zu ihm hatte Pius XII. beson- deres Vertrauen. Wenn auch klar war, daß mit der Niehansschen Frischzellentherapie in diesem besonderen Falle nichts auszurichten war, von dem menschlichen, ja freundschaft- lichen Kontakt zwischen den beiden Männern versprach man sich eine wesentliche Stär- kung des Durchhaltewillens des hohen Pa- tienten. Sein Wunsch, die Arbeit wiederauf- zunehmen, Pilger zu empfangen und wo- möglich aus Castelgandolfo nach Rom zu- rückzukehren, konnte freilich nicht erfüllt werden. Aber sein volles Sprechvermögen hatte er wiedererlangt, konferierte mit hohen Beamten des Vatikans und sprach vor allem den Gläubigen in der ganzen Welt seinen besonderen Dank aus dafür, daß sie mit ihren Gebeten seine Gesundheit hätten stützen helfen. Alles, was von ärztlicher Seite ge- schehen konnte, geschah. Die ganze letzte Nacht über wich der Leibarzt des Papstes nicht von seiner Seite. Aber der Tod wachte mit. Er ließ sich nicht vertreiben: Das Leben eines der Größten unserer Zeitgenossen war nach 82 mühevollen Jahren erfüllt.

Der römische Spezialist Prof. Gasbarrini Der Schweizer Arzt Professor Niehans

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Papst Pius XII. bei der Neujahrsaudienz:

IN ENGSTEN AREIN

Jetzt ist auch sie schon längst über die Siebzig hinaus, und seit über vierzig Jahren führte sie dem Papst den Haushalt die deutsche Schwester Pasqualina. Sie ließ es sich nicht nehmen, persönlich seine Mahlzeiten zu überwachen, sie kümmerte sich um seine Kleidung und pflegte ihn, wenn immer nötig, voll aufopfernder Liebe

Der Sakristan des Heiligen Vaters war Monsignore Van- lierde. Ihm standen das Recht und die Pflicht zu, dem Haupt der katholischen Christenheit die Letzte Olung zu erteilen. Sein Beichtvater war der deutsche Jesuitenpater Bea. Da dieser seit einiger Zeit aber selbst erkrankt ist, konnte er sich nicht in der Nähe des Papstes aufhalten

Die Grauen Eminenzen nennt man in Rom zwei deutsche Jesuiten wegen ihres geheimen Einflusses auf den Papst: neben Pater Hendrich, dem Bibliothekar (links), ist es vor allem Pater Leiber, aus dessen Händen Pius XII. zum letzten Mal die Heilige Kommunion empfangen hat. Lei- ber ist Sekretär des Papstes, Professor für Geschichte und trägt den ehrenden Spitznamen „Gehirn der Kirche“

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Die berühmte Sixtinische Kapelle ist für das Konklave vorbereitet: für jeden der zurzeit lebenden 55 Kardinäle steht ein gesondertes Pult bereit

Papsiwalll in geheimem Konklav

Nur Kardinäle wählen in der Sixtinischen Kapelle das neue Oberhaupt der Kirche

pätestens volle 18 Tage nach dem Tode eines Papstes muß das Konklave, die

Neuwahl durch die Kardinäle, beginnen. Nachdem am Morgen der Kardinal- dekan eine Messe zum Heiligen Geist zelebriert hat und ein hoher Prälat des päpstlichen Hofstaates eine lateinische Predigt über die Pflichten der Papst- wähler gehalten hat, ziehen die Kardinäle in feierlicher Prozession in die Sixti- nische Kapelle. Nochmals wird das Wahlgesetz verlesen und alle zur Teilnahme am Konklave berechtigten Personen darauf vereidigt. Dann ertönt dreimal ein Glockenzeichen. Die Zeremonienmeister lassen das „Extra omnes“ erschallen alle hinaus, die nicht zum Konklave gehören! Die Türen werden verschlossen, der Kardinalkämmerer macht mit den diensttuenden Kardinälen einen Rundgang, um sich zu überzeugen, daß jede Vorschrift beachtet und kein Unbefugter zurück- geblieben ist. Das Konklave ist geschlossen.

Die Wahl beginnt

Am nächsten Morgen wieder nach einer Messe zum Heiligen Geist beginnt die Wahl. Das dabei in der Regel angewandte Verfahren ist die Wahl per scrutinium die geheime Wahl durch Stimmzettel, bei der alle Einzelheiten aufs genaueste gesetzlich festgelegt sind. Vor dem Altar steht ein Tisch mit der Wahlurne in der Form eines großen goldenen Kelches. An den Längswänden stehen die Sesgel der Kardinäle, von kleinen Baldachinen überhangen. Vor jedem

Sessel ein kleiner Tisch mit Schreibzeug, Siegellack und Kerze. In der Mitte stehen größere Tische, an denen das Wahlresultat festgestellt und geprüft wird. Sind die Stimmzettel ausgefüllt, so schreiten die Kardinäle nacheinander in der Ordnung des Rangalters zur Wahlurne. Vor dem Altar kniet jeder zu kurzem Gebet nieder, und nach dem Schwur: „Ich nehme Christus, den Herrn, der mich richten wird, zum Zeugen, daß ich den wähle, den ich vor Gott wählen zu sollen glaube", läßt er den Zettel in den Kelch gleiten. Dann beginnt die Zählung und Prüfung der Stimmen. Schwarzer Rauch und weißer Rauch

Sind bei einem Wahlgang zwei Drittel der Stimmen plus eine für einen Kandi- daten nicht erreicht worden, so beginnt unmittelbar danach ein zweiter Wahlgang. Ist auch dieser erfolglos, so werden die Stimmzettel in einem Ofen, zusammen mit nassem Heu oder Stroh, verbrannt. Der schwarze Rauch, der alsdann dem Kamin der Sixtina entsteigt, kündigt der auf dem Petersplatz harrenden Menge an, daß die Wahl ergebnislos war. Hierauf finden am Nachmittag desseiben Tages gewöhnlich nochmals zwei Wahlgänge statt, und so fort an jedem Tag vier Wahlgänge, bis zwei Drittel der Stimmen plus eine erreicht werden. Ist dies der Fall, dann werden die Wahlzettel ohne Beimischung von Heu oder Stroh verbrannt, und wenn draußen die „sfumata“, die dünne helle Rauchwolke, aufsteigt, dann weiß die Menge: Habemus papam Wir haben einen Papst!

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Sämtliche Schlösser des schweren Bronzetores werden sorgsam verschlossen. Erst wenn jede Ver- bindung zur Außenwelt versperrt ist, kann das Konklave die Wahl des neuen Papstes beginnen

In kleinen Portionen wird die Verpflegung durch ein peinlich bewachtes Drehienster (hinten rechts) in das Konklave geschleust, um jede Ein- flußnahme auf die Wahl von außen zu verhindern

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Alle päpstliche Gewalt ruht während einer Sedis- vakanz. Nur im Konklave herrscht und ist für alles

äußere Geschehen seit jeher verantwortlich der

Meister bzw. der

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Zugemauert werden alle Zugänge zum Kon- klave bis auf eine einzige, sorgsam bewachte Offnung zum Durchreichen von Lebensmitteln.

des Malteserordens Selbst die Fenster werden verhängt und plombiert

Früher war es anders

In der Frühzeit der Kirchengeschichte wurde der Papst wie die Bischöfe durch den Klerus und das Volk der Diözese gewählt. Auf dieser breiten Basis bilde- ten sich Parteien, in denen weltliche Gewalt und Willkür wildwüchsig auf- schossen. So haben nacheinander die weströmischen Kaiser, nach ihrem Sturz die germanischen Heerkönige, dann die Kaiser in Byzanz, die römischen Adels- geschlechter, die fränkischen Könige, die deutschen Kaiser starken Einfluß auf die Besetzung des päpstlichen Stuhles gewonnen. Erst allmählich ist es der Kirche gelungen, sich aus der weltlichen Umklammerung zu lösen und die Papstwahl nach eigenem Gesetz zu ordnen, was nicht ausschloß, daß auc dann noch durch die Schwacdheit der Menschen und die Übermacht der Ver- hältnisse weltlicher Machtdrang einströmen konnte. Papst Nikolaus II. hat das Recht der Papstwahl im Jahre 1059 den Kardinalbischöfen vorbehalten, und Alexander III. hat es 1179 auf alle Kardinalsordnungen ausgedehnt und zugleich die Vorschrift der Zweidrittelmehrheit eingeführt.

Aber wie, wenn die Kardinäle sich nicht einigen konnten? Im dreizehnten Jahrhundert kam das immer wieder vor. Immer länger dehnte sich dann die Zeit der Sedisvakanz, das Leerstehen des Heiligen Stuhles, mit immer größerem Schaden für die Kirche. Nach dem Tode Klemens’ IV. war der Zustand uner- träglich geworden. Fast drei Jahre lang war der Stuhl Petri verwaist. Achtzehn

Kardinäle saßen in Viterbo und konnten sich nicht einigen. Da griffen die

Als Schlafstätte für das Konklave werden Räume des vatikanischen Museums hergerichtet. Jedem Kardinal kommt dabei eine eigene, nur durch Vorhänge gebildete Zelle zu, die ein Bett, einen Tisch und ein paar Stühle enthält

In diesem Ofen werden die Stimmzettel nach jedem Wahlgang verbrannt. Geschieht das zusammen mit nassem Stroh, steigt also schwarzer Rauch aus dem Schornstein, so heißt das: die Wahl wird wiederholt

Alle Telefonapparate müssen aus dem Kon- klave ebenso entfernt werden wie Mikrophone und Fotoapparate. Ein vatikanischer Gendarm überwacht genau die strikte Durchführung

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Gewaltig sind die Pflichten, die sogleich auf den neugewählten Papst ein- stürmen. Daß ihn dabei auf keinen Fall die Schuhe drücken dürfen, dafür übernimmt der erfahrene päpstliche Schuster getrost die Verantwortung. Gleich drei Paar muß er noch vor der Wahl vorbereiten: groß, klein und mittelgroß

Bürger der Stadt zu einem radikalen Mittel, das im selben Jahrhundert ähnlich schon einmal in Rom und in Neapel angewandt worden war. Sie vermauerten den Eingang des Bischofspalastes, in dem die Kardinäle versammelt waren. Als auch das noch nichts half, wurde das Dach abgedeckt und nur noch Wasser und Brot hineingelassen. So wurde am 1. September 1271 Gregor X. gewählt.

Ein Einfall wird Gesetz

Der neue Papst machte aus dem drastischen Einfall der Bürger von Viterbo ein Gesetz. Seitdem werden die Päpste im Konklave gewählt. Das Wort Konklave (lateinisch conclave = Verschluß, verschließbares Zimmer) bezeichnet dabei sowohl das verschlossene Gemach, in dem die Wahl stattfindet, als auch die Wahlversammlung der Kardinäle. Die ersten Vorschriften waren sehr streng. Die Kardinäle mußten alle in einem einzigen Raum zusammen wohnen, die Speisen wurden durch ein Fenster hereingebracht, vom dritten Tag an zu jeder Mahlzeit nur ein Gang, nach acht Tagen nur noch Wasser und Brot und ein wenig Wein. Später wurden die Vorschriften gemildert. Aber die strenge Abschließung des Wahlkörpers von der Außenwelt ist heute noch das wesent- liche Kennzeichen des Konklaves, und sie hat heute noch denselben Zweck wie damals: Einflüsse von draußen fernzuhalten und den Wahlakt zu beschleunigen.

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Kostbar bestickt und mit Edelsteinen versehen sind die Pantoffeln des Heili- gen Vaters. Auch sie müssen gleich nach > der Wahl in drei Größen bereitstehen

S$Sorgsam werden alle Fenster der zum Konklave gehörenden Räume mit Blen- den versehen, um auch hier jede Stö- rung durch Außenstehende zu vermeiden

In drei verschiedenen Größen hält der päpstliche Schneider das schneeweiße Gewand für den neuen Papst bereit, der unmittelbar nach seiner Wahl damit bekleidet wird. Erst nach dieser „immantatio” pflegt er die Huldigung der Kar- dinäle entgegenzunehmen und den päpstlichen Segen zu spenden

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Eligo in Summum Pontificem R.D.

meum D. Card.

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„Ich, Kardinal... wähle zum Papst Kardinal...“ So lautet der Text auf dem Wahlschein, wie er bei der letzten Papstwahl aussah. Der obere Teil mit dem Namen des Wählers und der un- tere Teil mit einem einzusetzenden Bibelspruch werden zugefaltet und ge- siegelt, so daß nur noch der Name des Wahlkandidaten sichtbar bleibt

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Die päpstlichen Insignien Kelch, Brustkreuz und neuer Fischerring warten auf den Neugewählten. Der alte Ring, Symbol der von Petrus, dem Fi- scher der Seelen, auf den Papst als sei- nen Nachfolger übertragenen Gewalt, wird nach dem Tode eines Papstes, ebenso wie sein Geheimsiegel, sofort zerbrochen, um jedem Mißbrauch vor- zubeugen

Heilige Geräte für das Pontifikalamt des neuen Papstes harren stets sorgsam gehütet ihrer ersten Benutzung

Die runde dreifache Krone der Tiara

als Zeichen der dreifachen päpstlichen Gewalt steht in verschiedenen Größen bereit für die feierliche Krönung. Erst von diesem Tage an beginnt die Regie- rungszeit eines Papstes amtlich zu zäh- len. Die spitze Mitra aber trägt er stets als Bischof von Rom, als Erster unter allen Bischöfen der katholischen Kirche

Fortsetzung von Seite 15

Rund 300 Personen

Jeder Kardinal darf heute zwei Kon- klavisten, gewöhnlich einen Sekretär und einen Diener, mitbringen. Nach den neuesten Vorschriften soll möglichst nur ein Laie mitgebracht werden. Außer- dem gehen mit in das Konklave: der Sakristan des Apostolischen Palastes mit Gehilfen, bis zu sechs Zeremonien- meister, der Sekretär des Kardinal- kollegiums, ein Ordensmann als Beicht- vater, zwei Ärzte, ein Chirurg, ein Apotheker mit Gehilfen und sonstiges Personal, das nach dem Ermessen der Generalkongregation für notwendig ge- halten wird, insgesamt rund 300 Perso- nen. Ist dann die Wahl vollzogen, hat die katholische Kirche wieder ein neues Oberhaupt, dann ziehen in der Sixtina die Kardinäle an einer Schnur, die den Baldachin über ihrem eigenen Sessel umlegt. Nur ein Baldachin bleibt wie vorher: der des Gewählten. Der Kar- dinaldekan tritt an ihn heran und fragt, ob er die Wahl annehme. Mit dem Jawort erwirbt der Gewählte die Fülle der päpstlichen Gewalt. Er wird dann noch gefragt, welchen Namen er annehmen wolle. Zu der Antwort pflegt der neue Papst meist eine kurze Be- gründung zu geben. Dann wird er mit den weißen päpstlichen Gewändern be- kleidet, die in verschiedenen Größen bereitliegen, und nimmt zum ersten Male die Huldigung der Kardinäle ent- gegen.

Der Wahl folgt alsbald die Krönung. Und von diesem Tage an beginnt die Zählung der Regierungsjahre eines Pap- stes, und sein Gedächtnis wird alljähr- lich mit frommer Feier begangen. Ange- tan mit der Tiara besteigt der Papst nun den goldenen Tragsessel. Eine Prozession von höchstem Pomp ge- leitet ihn aus der Sixtina in den Peters- dom zu seiner Krönungsmesse.

„Selten sind die Gelegenheiten”, so schreibt ein Kirchenhistoriker, „da der Vatikan seine ganze Pracht entfaltet. Fast nur noch zur Krönungsmesse und zu Heiligsprechungen sieht die Peters- kirhe den alten Glanz. Dann aber bietet sie ein Schauspiel von solcher Vollendung, bei der sih Prunk und

Würde so zum höchsten Stil vereinigt,

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„Habemus Papam” „Wir haben wieder einen Papst!“ sagt endlich das Rauch- Auf dem Balkon der Peterskirche vor einer Menge von Hunderttausenden, signal, das dem Kaminrohr auf dem Dach der Sixtinischen Kapelle enisteigt. Dies- die den Petersplatz und die anschließenden Straßen dichtgedrängt füllten, wurde mal ist der Rauch weißlich-blau von den ohne Zusatz verbrannten Wahlzetteln Pius XIl. als 261. Nachfolger Petri mit der Tiara zum Papst gekrönt

wie seit dem Erlöschen der spanischen Weltherrschaft wohl nichts mehr auf der Welt. Es ist ein jubelnder Rausch aller sinnlichen Schönheit, eine Har- monie von Farbe, Form und Klang, gebändigt in die sinngeladene Feier- lichkeit der Liturgie. »Der Vater der Fürsten und Könige«, der Höchste in der Welt anbetend geneigt vor dem Höchsten über der Welt großartiger kann keine Idee ihren sichtbaren Aus- druck finden.“

„Urbi et orbi”, der Stadi Rom und der ganzen Welt erteilte Pius XII. den päpstlichen Segen unmittelbar nach sei- ner Krönung durch den Dekan der Kar- dinaldiakone. „Empiange“, so lautete die Krönungsformel, „die mit drei Kro- nen geschmückte Tiara und wisse, daß du bist der Vater der Fürsten und Kö- nige, der Lenker der Welt, hienieden der Stellvertreter Jesu Christi, dem Ehr' und Ruhm sei in Ewigkeit. Amen.“ Auf dem Weg zur Krönungsmesse in St. Pe- ter aber tritt dem Papst, der auf gol- denem Tragsessel, der Sedia gestato- ria, von zwölf in feierliche Scharlach- seide gekleideten Dienern in einer den höchsten Glanz der Kirche entialtenden Prozession getragen wird, ein schlichter Zeremoniar entgegen. Dreimal entzün- det er